Titel: 10 Gründe, warum du deine Diss mit Scrivener schreiben solltest – und einer dagegen

10 Gründe, warum du deine Diss mit Scrivener schreiben solltest – und einer dagegen

Scrivener ist ein Tool für große Schreibprojekte: Romane, Drehbücher, Sachbücher und eben Dissertationen.

Ich schreibe meine Doktorarbeit über Marken und Metaphern mit Scrivener, und ich könnte nicht mehr ohne! Scrivener ist das ideale Tool für große Schreibprojekte, und für die Arbeit an meiner Diss war es ein echter Gamechanger. Kein Chaos mehr mit unterschiedlichen Word-Dokumenten, kein Copy & Paste & Suchen mehr, nur um einen Textabschnitt an eine andere Stelle zu schieben, und deutlich weniger Jonglieren zwischen verschiedenen Fenstern am Computer und Zettelwirtschaft auf dem Schreibtisch.

Das sind meine 10 Gründe, warum du deine Dissertation mit Scrivener schreiben solltest – und ein Grund, vielleicht doch lieber bei Word (oder einem anderen „normalen“ Textverarbeitungsprogramm) zu bleiben.

  1. Alles in einem Projekt – dein eigentlicher Text, deine Recherche, deine PDFs, deine Notizen und mehr. Anstatt eines laaaaangen Textdokuments, verschiedener PDFs in verschiedenen Ordnern und Zettelchaos mit deinen Notizen hast du alles übersichtlich in einem Scrivener-Projekt organisiert. Da geht die Arbeit gleich viel leichter von der Hand!
  1. Aufteilung in Ordner mit Seiten und Unterseiten – so arbeitest du an einem langen Text, ohne an einem langen Text zu arbeiten! Du kannst deinen Text so grob oder fein aufteilen, wie du möchtest, und bei Bedarf jederzeit eine Seite in zwei teilen oder zwei Seiten zu einer zusammenlegen. Außerdem kannst du ganz leicht zwischen den verschiedenen Ordnern und Seiten hin- und herspringen – perfekt, wenn du gerade an Unterpunkt 3.4 arbeitest, und dabei nochmal schnell nachschauen willst, was du eigentlich in 2.5 geschrieben hattest.
  1. Einfaches Verschieben – Ordner, Seiten und Unterseiten können ganz leicht an eine andere Stelle geschoben werden. Du findest, 4.5. sollte doch lieber schon irgendwo in Kapitel 3 kommen? Deine Professorin sagt, das Thema aus 2.3 gehört zwischen 3.4 und 3.5 und das Thema aus 5.2 sollte schon in Kapitel 4 drankommen? Mit Scrivener kein Problem – kein Markieren, Ausschneiden und dann hin- und herscrollen, um die richtige Stelle im laaaaangen Textdokument zu finden; stattdessen ist es mit ein paar Klicks schnell erledigt (und das garantiert ohne die Gefahr, dabei ein Chaos zu verursachen).
  1. A propos Chaos – mit den Schnappschüssen (Snapshots) musst du dir keine Gedanken mehr um Versionen und Überarbeitungen machen. Das ist eine der absolut genialen Funktionen in Scrivener: Bevor du eine Seite bearbeitest, kannst du einen Schnappschuss davon machen. So behältst du die vorherige Version – d.h., so viele vorherige Versionen, wie du möchtest – und kannst jederzeit wieder nachschauen, was du vorher geschrieben hattest, wenn du z. B. nochmal etwas überprüfen willst. Bei Bedarf kannst du mit einem Klick eine ältere Version wiederherstellen. Also, keine Angst davor, einfach zu machen und auch mal etwas zu probieren! Falls es dir nicht gefällt, ist die alte Version mit einem Klick wieder da.
  1. A propos Chaos, die Zweite – dank des Recherche-Ordners hast du auch einen viel besseren Überblick über deine Materialien und Quellen. Der Recherche-Ordner ist ein eigener Bereich, in dem du PDFs mit Fachartikeln oder auch Grafiken speichern sowie Textdokumente mit eigenen Notizen erstellen kannst. So hast du nicht nur deinen eigentlichen Text mit allen Kapiteln und Abschnitten in deinem Scrivener-Projekt, sondern auch deine Recherche. Man kann außerdem verschiedene Scrivener-Dokumente untereinander verlinken, sodass du z. B. das PDF mit dem Artikel von Meier 2018 und deine Notizen zu dem Buch von Müller & Schmidt 2021 direkt mit Abschnitt 4.2 verlinken kannst. So findest du beim Schreiben immer schnell die Quellen, die du gerade brauchst.
  1. Parallele Ansicht in zwei Editoren – so kannst du den Text von Meier 2018 und deinen Abschnitt 4.2. nebeneinander öffnen und an Abschnitt 4.2 schreiben, während du immer mal wieder nachschaust, was genau Meier jetzt in seinem Text geschrieben hat (genaues Zitieren ist schließlich wichtig!). Der Editor ist in Scrivener der Bereich, in dem Dokumente geöffnet werden und in dem du deine Textabschnitte bearbeitest. Beim Schreiben wirst du meistens nur einen Editor geöffnet haben und darin an deinem Text arbeiten – aber z. B. um beim Schreiben in deine Quellen zu schauen, ist die parallele Ansicht super praktisch.
  1. Die Suchfunktion – wo war das nochmal? Habe ich Meier 2018 nur in 4.2. zitiert, oder noch woanders? Greife ich das Thema aus 2.3 nur im 4. Kapitel nochmal auf, oder auch noch an einer anderen Stelle? Mit der Suche kein Problem: Du gibst deinen Suchbegriff ein, und Scrivener zeigt dir alle Dokumente an, in denen er vorkommt. Dann kannst du aus der Liste Dokumente auswählen, im Editor öffnen und genau nachschauen. Egal, wie groß und komplex dein Scrivener-Projekt wird – du findest dich immer leicht darin zurecht.
  1. Statistiken – wie lang ist mein Text eigentlich? Ein „Vorteil“ der Arbeit mit einem laaaaangen Textdokument ist, dass du immer genau siehst, wie viele Seiten dein Text jetzt tatsächlich hat. Das siehst du in Scrivener nicht gleich, da der Text dort in einzelne Abschnitte aufgeteilt ist. Aber unter Project → Statistics kannst du dir anzeigen lassen, wie viele Wörter dein gesamter Text (oder ein ausgewählter Bereich, z. B. eine Seite zusammen mit ihren Unterseiten) hat und wie viele Seiten das in einem Buch wären. So kannst du auch in Scrivener immer die Gesamtlänge im Blick behalten.
  1. Karteikarten und Notizen – hier ist Platz für zusätzliche Informationen zu jedem einzelnen deiner Textdokumente. Auf der Karteikarte kannst du z. B. eine Zusammenfassung oder Inhaltsangabe der Seite schreiben und in dem Bereich darunter weitere Notizen, z. B. zusätzliche Informationen oder To-dos. So musst du deine Notizen nicht mehr irgendwie in deinem laaaaangen Textdokument mit unterbringen, oder irgendwo in andere Ordner oder auf Zettel schreiben (und dann vergessen). Hier stehen deine Notizen direkt bei – bzw. neben – deinem Text, und du siehst alles auf einen Blick. Selbstverständlich haben auch die Dokumente im Recherche-Ordner diesen Karteikarten- und Notiz-Bereich, sodass du auch zu deinen Quellen Notizen machen kannst.
  1. Einfacher Export – in Word, als PDF oder auch in andere Formate. Du kannst deinen kompletten Text exportieren oder auch nur Teile davon. Wenn du also z. B. Kapitel 1 und Kapitel 2 für Feedback an deine Professorin schicken willst, exportierst du sie in Word – und deine Professorin bekommt ein normales Word-Dokument, das sie ganz normal bearbeiten und mit Anmerkungen versehen kann. Wenn irgendwann die ganze Diss fertig ist, exportierst du deinen gesamten Text, machst in Word noch ein paar Anpassungen und kannst ihn dann drucken und (endlich!) abgeben.

Klingt gut, oder? Scrivener ist in der Tat großartig für Schreibprojekte, und ich wüsste nicht, wie ich meine Diss ohne dieses Tool schreiben würde. Einen Nachteil gibt es allerdings: Keine Integration mit Literaturverwaltung, also mit Tools wie EndNote, Citavi oder Zotero. Selbstverständlich kann man in Scrivener Fußnoten einfügen, aber den dazugehörigen Verweis direkt in der Literaturverwaltungssoftware herauszusuchen und so auch ein Literaturverzeichnis automatisch erstellen zu lassen, das funktioniert in Scrivener nicht. Allerdings – ganz ehrlich – fand ich diese „einfache, praktische“ Funktion immer eher nervig, als ich noch in Word geschrieben habe. Ich bin gerade im Schreibfluss; mein Gehirn ist auf Schreiben eingestellt – und jetzt muss ich schon wieder das andere Fenster mit der Literaturverwaltung öffnen, den richtigen Verweis raussuchen (macht besonders Spaß, wenn man mal viel Literatur gesammelt hat und es deswegen in dem Tool nicht nur Meier 2018 gibt, sondern auch Meier 1999, Meier 2013, Meier 2017 und Meier 2022), dann noch die Seitenzahl eingeben – und ich weiß gar nicht mehr, was man sonst noch machen musste. Nur, dass ich diese Funktion irgendwann eher nervig als einfach & praktisch fand.

Als Linguistin arbeite ich nicht mit Fußnoten, sondern mit Autor-Datum-Angaben im Text (z. B. Meier 2018: 345 oder Müller & Schmidt 2021: 24) und fand es immer einfacher, diese Verweise schnell von Hand zu tippen. Gerade, wenn man sehr viele Verweise in einem Abschnitt hat. Für mich ist das also kein Nachteil – im Gegenteil: Ich kann flüssiger schreiben und mich mehr auf die Arbeit am Text konzentrieren, ohne ständig von der Literaturverwaltung abgelenkt zu werden. Natürlich muss ich trotzdem den Überblick behalten, welche Quellen ich verwende, um dann am Ende ein vollständiges Literaturverzeichnis zu erstellen. Für Überblick und Organisation nutze ich eine Datenbank in Notion, in der ich zu jedem Scrivener-Textabschnitt einen Eintrag habe, in dem ich u. a. auch die verwendeten Quellen aufliste. Aber natürlich kannst du auch z. B. in deinem Literaturverwaltungstool eine eigene Kategorie erstellen, in die du alle Quellen einsortierst, die du tatsächlich verwendet hast. So ist das Literaturverzeichnis auch schnell erstellt.

Du siehst also – es gibt mindestens 10 gute Gründe, warum du deine Diss mit Scrivener schreiben solltest. Neugierig geworden? Hier gibt es eine kostenlose Testversion zum Ausprobieren.

Oder hast du Scrivener sogar schon mal ausprobiert? Schreib es mir gerne in die Kommentare!

 

 

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